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Netzwerk essenpaed – Erziehungswissenschaftler_innen machen das Essen zum Thema

Hintergrund

Essen ist mehr als physiologische Sättigung und kulinarisches Genusserlebnis. Der Alltag der Nahrungsversorgung und -aufnahme ist durchdrungen von sozialen Ordnungsstrukturen. Wer was wieviel mit wem wo isst, wer was mag und was nicht, wer wem Essen gibt und wer von wem Essen nimmt, wer bestimmt, was es wie zu essen gibt, wie über richtiges Essen und Fehlernährung gesprochen wird – dies alles spiegelt grundlegende Koordinaten von Gesellschaftlichkeit und Vergesellschaftung wider. Beim Essen werden Körper-, Beziehungs- und Machtverhältnisse hervorgebracht, reproduziert und modifiziert, aber auch konfliktreich umkämpft. Dem Regime normativer Auflagen und zivilisierender Zugriffe stehen subjektive Aneignungstätigkeiten und subversives Aufbegehren des Individuums gegenüber.

Das Essen ist seit den Anfängen der Pädagogik Gegenstand theoretischer Diskurse und praktischer Anliegen. Was und wie Menschen zu ihrem eigenen und zum gesellschaftlichen Wohl essen sollen und wie sie das entsprechende Ernährungsverhalten lernen können, verweist auf erziehungswissenschaftliche Fragen, die gegenwärtig an Aufmerksamkeit gewinnen. Hierzu gehören bspw. die Problemdiagnosen zur nachlassenden Kraft der Familie als ‚Ernährungserzieherin‘, zu Fehlernährung, Lebensmittelvernichtung, Hunger im globalen Süden und Umweltschäden, aber auch die Bedeutungszunahme der öffentlichen Nahrungsversorgung von jungen Menschen, Fragen kultureller Diversität der Küchen oder kulturelle Trends wie Superfood, Veganismus und anderer Ernährungsstile.

Diese vielfältigen Entwicklungen kulminieren derzeit in eine Intensivierung der Auseinandersetzung um pädagogische Entwicklungs- und Handlungsbedarfe. So werden verstärkt Ernährungs- und Verbraucherbildung in Kita, Schule und Familie gefordert und an vielen Stellen von verschiedenen Akteuren entsprechende Maßnahmen und Projekte zur Förderung einer gesunden und nachhaltigen Ernährungsweise auf den Weg gebracht. Gleichwohl halten sich die Erziehungswissenschaften mit eigenen Beiträgen eher zurück. Dies betrifft gleichermaßen empirische, theoretische und normative Debatten zum Essen.

Netzwerk EssensPaed

Vor diesem Hintergrund wurde 2014 das Forschungsnetzwerk EssensPaed gegründet. Es versammelt Erziehungswissenschaftler_innen, die sich lebensphasen- und handlungsfeldübergreifend mit Praktiken und Diskursen des Essens, der Essensversorgung sowie der Essenserziehung und -bildung in pädagogischen Räumen beschäftigen. Hierbei sind sowohl öffentliche Institutionen der Betreuung, Erziehung, Bildung und Pflege im Blick, als auch privat-familiale Kontexte.

Ziele des Netzwerks sind

  • eine kritische erziehungswissenschaftliche Reflexion der wohlfahrtsstaatlichen, gesundheits- und bildungspolitischen Debatten und Programme zu Essen und Ernährung zu leisten.
  • einen Beitrag zur Sichtbarkeit der erziehungswissenschaftlichen Expertise zum Essen zu leisten und ihre Relevanz für Praxisentwicklungen schärfen.
  • den kollegialen Austausch zu Forschungsergebnissen und die gemeinsame Arbeit an der Schärfung erziehungswissenschaftlicher Beiträge zum Essen zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf empirische Arbeiten, da nach wie vor kaum Erkenntnisse darüber vorliegen, was beim Essen interaktiv ‚en detail‘ passiert und wie über den Lebensverlauf hinweg die symbolische Codierung des Essens erworben und verändert wird.

Das Netzwerk spricht Kolleg_innen aus den Erziehungswissenschaften, der Kindheits-, Jugend-, Bildungs- und Familienforschung wie auch den Sozialarbeitswissenschaften an. Die Arbeitstreffen finden halbjährlich an wechselnden Hochschulstandorten statt.

Interessierte Forscher_innen können Kontakt aufnehmen über mail@essenspaed.de